Freitag, 15. August 2025

Marsch des Lebens in Freiburg 2025



Am 29. Mai diesen Jahres führten wir in Freiburg den siebten „Marsch des Lebens“ seit dem Jahr 2018 durch. Der „Marsch des Lebens“ - eine Initiative von Jobst und Charlotte Bittner, hat seit dem Beginn der Bewegung im Jahr 2007 jährlich in mehr als 20 Nationen und hunderten Städten und Ortschaften stattgefunden- in Zusammenarbeit mit Christen der unterschiedlichsten Denominationen sowie vielen jüdischen Gemeinden. 

Der „Marsch des Leben“ verbindet die persönliche Aufarbeitung der Geschichte mit einer öffentlichen Stimme gegen den heutigen Antisemitismus in Freundschaft mit Israel. Er will: Erinnern - d.h. die Vergangenheit aufarbeiten und Holocaustüberlebenden eine Stimme geben. Versöhnen – Heilung und Wiederherstellung zwischen den Nachkommen der Täter- und Opfergeneration. Ein Zeichen setzen – für Israel und gegen den modernen Antisemitismus

Wie die letzten Jahre startete der Marsch auch dieses Jahr ab 13:30 Uhr an der Neuen Synagoge. Während die Menschen sich mit ihren Israelflaggen und Spruch-Bannern versammelten spielte die Berliner Gruppe FOLKADU die sich aus drei jüdischen Musikern (Yael Gat: Gesang,Trompete,Schofar

 - Ira Shiran: Akkordeon - Doron Furman: Oud) zusammensetzte, und der Platz vor der Synagoge war bald in das weiß/blau der Israelischen Flagge getaucht. Irina Katz die erste Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg begrüßte die Teilnehmer, Ralf Klinger von der „Aktion Schalom Freiburg“ sprach ebenfalls ein paar Grußworte und ging kurz auf den Ablauf des diesjährigen Marsches ein. Auch dieses Jahr sollte der Marsch wieder von der Neuen Synagoge über die Kaiser-Joseph-Straße

 - mit drei kurzen Stopps an denen jeweils ein bekanntes Lied auf Hebräisch gesungen wurde - auf den „Platz der Alten Synagoge“ führen. Der bekannte Islamwissenschaftler und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi sprach ebenfalls ein kurzes Grußwort. Danach sang Moshe Hayoun, der Kantor der Israelitischen Gemeinde Freiburg, mit seiner außergewöhnlichen Stimme ein paar Lieder aus seinem nahezu unerschöpflichen Repertoire. Als er geendet hatte formierten sich die Teilnehmer unter dem blasen verschiedener Schofars für den Marsch. Eskortiert von der Polizei ging es dann in Richtung Kaiser-Joseph-Straße und unter Einhaltung der oben genannten Stopps zum Singen der Lieder auf den „Platz der Alten Synagoge“. Auf dem „Platz der Alten Synagoge“ wurden wir von der Musik-Gruppe Ashira mit verschiedenen Liedern empfangen. Das Motto des Marsches war dieses Jahr in Bezug auf den 7. Oktober 2023 und den seither nahezu explodierenden Antisemitismus: Wir schweigen nicht – und stehen zu Israel. Auch sind wir die letzten Jahre dazu übergegangen keine Politiker mehr als Sprecher einzuladen, da sie doch allzu oft eine in Teilen ungünstige Sicht auf Israel haben und diese in ihren Reden auch oft formulieren.

Auf dem Platz angekommen, und nach den Liedbeiträgen der Musikgruppe Ashira begrüßte Ralf Klinger von der „Aktion Schalom“ nochmals die Teilnehmer und ging in seiner Rede auf den 7. Oktober 2023 und dem, nach einer nur kurzen Zeit der Empathie, sprunghaft angestiegenen Antisemitismus und Judenhasses und dem Schweigen und wegsehen der Medien, der Schulen, Universitäten und Kirchen. Die Rede endete mit den Worten, das wir als „Aktion Schalom“ und dem „Marsch des Lebens“ nicht schweigen wollen und rufen: „Wir schweigen nicht!“ und sagen mit den Worten des Propheten Jesajas: „Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel!“ 

Als nächste Rednerin folgte Irina Katz die 1. Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde. Sie ging in ihrer Ansprach zuerst darauf ein, das bereits in der Tora die Kerngedanken als fundamentale zivilisatorische Bausteine aller demokratischen Rechtsstaaten angelegt worden sind. Das wir gerade aus der deutschen Geschichte wissen, wohin Verantwortungslosigkeit gegenüber dem Leben oder, nach religiösem Verständnis Gottes Schöpfung, führt. Was Macht ohne Verantwortung mit den Menschen und einer Gesellschaft macht. Im Folgenden zog sie eine Parallele zu dem seit vielen Jahren andauernden Handeln der Hamas und des 7. Oktober 2023 an dem das größte Massaker an jüdischen Menschen seit dem Holocaust stattfand, und wie es in den Straßen von Gaza von der großen Mehrheit der Bevölkerung frenetisch gefeiert wurde. Sie schließt mit der Einsicht, dass insbesondere der friedensverwöhnte Westen trotz aller Gedenkkultur und „Nie wieder“- Bekundungen vergessen zu haben scheint was Krieg bedeutet, wohin Menschenverachtung und Verantwortungslosigkeit führen und was es heißt, Verantwortung für das eigene Handeln und dessen Konsequenzen, Verantwortung für das Leben, für sich und andere zu übernehmen. Darin sieht sie das historische Kernanliegen des „Marsch des Lebens“. Verantwortung für und aus der Geschichte. Nicht nur für die Toten, sondern auch für die Lebenden. Für Versöhnung und gegen alten und modernen Antisemitismus. 

Nach einem Zeitzeugenbericht, bei dem die Erlebnisse von Yuval Raffael - die Eurovisions-Teilnehmerin für Israel – während des Massakers am 7. Oktober 2023 verlesen wurden und ein weiteres Lied der Musikgruppe Ashira, wurden von verschiedenen Personen der „Aktion Schalom“ Texte aus den Psalmen und den Propheten verlesen- ein Kernanliegen der „Aktion Schalom“. Den Lügen der Welt die Wahrheit Gottes, Gutes und Hoffnung über Israel und dem Jüdischen Volk auszusprechen. Am Israel Chai. Der Kantor Moshe Hayoun beendete den Marsch mit einem gesungenen Gebet.


Ralf Klinger

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